Investigaciones: Forschungen zu Lateinamerika | LAF Austria

In der Reihe Investigaciones werden seit 1998 exzellente Nachwuchs-Forschungsarbeiten in einem doppelten Review-Verfahren von der Lateinamerikaforschung Austria (LAF) ausgewählt und veröffentlicht.

Mehr zu den Richtlinien zur Einreichung erfahren Sie unter: http://laf-austria.at/investigaciones/richtlinien-zur-einreichung

 

Elisabeth Holzner: ANPASSUNG AN DEN KLIMAWANDEL IN CHILE. Eine historisch-materialistische Policy-Analyse der Umwelt- und Klimapolitik.

Steigende Temperaturen, Trockenheit und immer längere Dürreperioden, aber auch Starkregen und Überschwemmungen – die Auswirkungen des globalen Klimawandels sind in Chile bereits deutlich spürbar. Elisabeth Holzner analysiert im 25. Band der Reihe Investigaciones die noch junge Umwelt- und Klimapolitik Chiles und widmet sich dem bisher kaum behandelten Bereich der Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels.
(Investigaciones: Forschungen zu Lateinamerika, Band 25 · 2017 · ISBN 978-3-85476-818-0)

 

Katharina Hartl: KAMASA WARMI. Die Stärke der Frauen von El Alto.

Proteste der indigenen Bewegungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts leiteten in Bolivien die post-neoliberale Wende ein. Indigene Frauen aus El Alto waren dabei zentrale Akteurinnen. Angesichts des Bedeutungsverlusts von Gewerkschaften – historischer Beteiligungsräume der indígenas – im Zuge neoliberaler Umstrukturierung, wird gezeigt, wie sich informalisierte Händler/innen neu organisieren. Als Beitrag zur Analyse aktueller Transformationsprozesse werden die politische Beteiligung von Frauen in den Organisationen im Handel und Differenzlinien in Partizipation und Repräsentation beleuchtet.
(Investigaciones: Forschungen zu Lateinamerika, Band 24 · 2016 · ISBN 978-3-643-50735-8)

 

Sebastian Hilf: Das Unternehmen Rio. Aufwertung und Ausgrenzung in der neoliberalen Stadt.

Die neoliberale Neuordnung des Städtischen führt auch in Rio de Janeiro zu umfangreichen Transformationsprozessen. Rios Stadtverwaltung setzt hierbei v.a. auf die Realisierung von Großereignissen und Großprojekten. Mit dem Buch soll ein Beitrag zur Analyse gegenwärtiger urbaner Transformationsprozesse geleistet werden, indem beispielhaft am Hafenrevitalisierungsprojekt Porto Maravilha dargestellt wird, welche Formen und Strategien einer unternehmerischen Stadtpolitik in diesem Kontext zum Tragen kommen und welche sozialräumlichen Auswirkungen sich hierbei im Raum materialisieren.
(Investigaciones: Forschungen zu Lateinamerika, Band 23 · 2015 · ISBN 978-3-643-50686-3)

 

Katharina Luksch: Die Zeichen Anderer betrachten. Europäische Perspektiven auf ein mixtekisches Manuskript.

In der Österreichischen Nationalbibliothek befindet sich einer der wenigen prähispanischen „Codices“, die die Eroberung Mexikos überlebt haben. Doch handelt es sich bei diesem Manuskript überhaupt um ein Buch im westlich-hegemonialen Verständnis, und was bedeutet die Kategorie Schrift für den Alteritätsdiskurs, mit dem Europäer die „Neue Welt“ beschrieben haben? Anhand der Geschichte des Codex Yuta Tnoho und seiner Rezeption lassen sich auf kulturwissenschaftlicher wie auf schrifttheoretischer Ebene (post-)koloniale Machtgefüge nachvollziehen, die bis in die Gegenwart wirkmächtig sind.(Investigaciones: Forschungen zu Lateinamerika, Band 22 · 2015 · ISBN 978-3-643-50684-9)

 

Ingrid Fankhauser: JUBILÄUMSBAND – Mi cuerpo es mi país. Der Körper als Schauplatz in der aktuellen kubanischen Fotografie.

„Alle Fabriken müssen Universitäten werden – bis die Universitäten überflüssig sind. Das gleiche gilt für alle Kultur.“ Mit diesen Worten formulierte Fidel Castro das Ziel der kulturellen Revolution, die der erfolgreichen bewaffneten Revolution in Kuba folgen sollte.
Ingrid Fankhauser nimmt dies als Ausgangspunkt für ihre Forschungsarbeit über die Geschichte der kubanischen Fotografie von 1959 bis heute, die von persönlichen Gesprächen mit den wichtigsten kubanischen FotografInnen begleitet wird. Ihr besonderes Augenmerk gilt dabei der fotografischen Darstellung des Körpers als „Ort der Erzählung“. Das Werk ermöglicht einen Blick auf die Kulturpolitik und die aktuelle Fotokunst Kubas, die selbst beim spezialisierten Publikum wenig bekannt sind. (Investigaciones: Forschungen zu Lateinamerika, Band 21 · 2014 · ISBN 978-3-643-50601-6)

 

Verena Hattinger: Desigualdad Socialista? Zur Multidimensionalität sozialer Ungleichheit in Kuba.

In den ersten 30 Jahren hatte die Kubanische Revolution durch sozialistische Gleichheitspolitik eine Gesellschaft mit sehr flachen sozialen Hierarchien geschaffen. Die während der Spezialperiode der 1990er Jahre notwendig gewordenen systemerhaltenden Reformen führten jedoch zu einem Anstieg der Ungleichheitsraten. Diese sozialanthropologische Forschung, deren Kernelement eine Mikrostudie in einem Plattenbau in Havanna ist, analysiert die Multidimensionalität sozialer Ungleichheit in Kuba von 1989 bis zur abermaligen „Aktualisierung“ des kubanischen Sozialismus im Jahre 2011 und versucht damit eine Lücke im deutschsprachigen Wissenschaftsraum zu schließen. (Investigaciones: Forschungen zu Lateinamerika, Band 20 · 2014 · ISBN 978-3-643-50600-9)

 

Robert Hafner: Handlung Macht Raum. Urbane Materialsammler-Kooperativen und ihre Livelihoods-Strategien in Buenos Aires.

In Buenos Aires fallen täglich mehr als 5000 Tonnen Müll an. Materialsammler, jene, die ihren Lebensunterhalt mit dem Abfall der Gesellschaft verdienen, stehen 10 Jahre nach der Wirtschaftskrise in Argentinien im Fokus dieses  Buches. Auf dem Weg zur Formalisierung und im Spannungsfeld zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit werden Livelihoods-Strategien von vier Kooperativen in Buenos Aires gegenübergestellt: Es zeigt sich eine Bandbreite an unterschiedlichen Zugängen räumlicher Praktiken, Handlungs- und Machtverständnissen, dargelegt durch eine neue, eine Perspektive von Innen. (Investigaciones: Forschungen zu Lateinamerika, Band 19 · 2014 · ISBN 978-3-643-50582-8)

 

Catrin Seefranz: Tupi Talking Cure. Zur Aneignung Freuds im antropofagischen Modernismus Brasiliens.

Freud und die Psychoanalyse landen in Brasilien in einem expandierendem Modernismus, zu dessen brillantesten Artikulationen die Bewegung der Antropofagia gehört. Diese eignet sich ungeniert den psychoanalytischen Diskurs an – und das zu einem Zeitpunkt, als die Psychoanalyse beginnt, sich die Welt anzueignen und die Globalisierung des Unbewussten zu betreiben. Tupi Talking Cure rekonstruiert diesen Dialog zwischen Psychoanalyse und Modernismus, zwischen Oswald de Andrade und Sigmund Freud, zwischen Totem und Tabu und Manifesto Antropófago. (Investigaciones: Forschungen zu Lateinamerika, Band 18 · 2013 · ISBN 978-3-643-50509-5)

 

Elisabeth Baldauf: Literatur und Umwelt. Schreiben gegen die ökologische Krise in Mexiko.

Die ökologische Krise ist zu komplex, um anhand einer einzigen wissenschaftlichen Disziplin verstanden, geschweige denn gelöst zu werden. Was aber können Literatur und Literaturwissenschaft zur Lösung dieser Krise beitragen? Inwiefern finden sich im interdisziplinären Ecocriticism, der bisher außerhalb der anglofonen Literatur- und Kulturwissenschaft kaum Gehör gefunden hat, hierauf Antworten? Basierend auf einer Diskussion dieser Fragen wird in diesem Band eine ökokritische Analyse für den mexikanischen Kontext theoretisch vorbereitet und auf drei zeitgenössische Romane angewandt. (Investigaciones: Forschungen zu Lateinamerika, Band 17 · 2013 · ISBN 978-3-643-50469-2)

 

Katharina Schmidt: Aneignung öffentlicher Räume. Rio de Janeiro.

Städtische öffentliche Räume sind umkämpfte Räume. Doch wie werden Konflikte in öffentlichen Räumen verhandelt und ausgetragen, wer ist daran beteiligt und welche Themen stehen dabei im Vordergrund? In der stark disparitären urbanen Gesellschaft Rio de Janeiros, bilden sich multiple Öffentlichkeiten heraus, die trotz ähnlicher grundlegender Vorstellungen von „öffentlichem Raum“ sehr konträre Handlungslogiken verfolgen. Zwischen lokalen Machtstrukturen und globalen Diskursen kämpfen städtische soziale Aktivismen gegen die Vernichtung öffentlicher Räume und für ihr Recht auf die Stadt Rio de Janeiro. (Investigaciones: Forschungen zu Lateinamerika, Band 16 · 2011 · ISBN 978-3-643-50354-1)

 

Johannes Pitschl: Homosexualität im Schnittfeld. Differente Identitätskonstruktionen in den LGBT-Communities und -Bewegungen von Salvador da Bahia, Brasilien.

Das Buch ist eine ethnographische Monographie über die LGBT-Communities und -Bewegungen (Lesbian, Gay, Bisexual und Transsexual) von Salvador da Bahia, dem afro-brasilianischen Zentrum im Nordosten Brasiliens. Der Autor führte in den Jahren 2007 und 2008 Feldforschungen vor Ort durch und ging dabei der Frage der unterschiedlichen Formen von Identitätskonstruktionen innerhalb dieser Communities entlang sozialer Differenzen wie ethnischer Herkunft, Geschlechtsidentität, Sexualität und sozialer Schicht nach. (Investigaciones: Forschungen zu Lateinamerika, Band 15 · 2011 · ISBN 978-3-643-50314-5)

 

Johanna Neuhauser: Zwischen Anpassung und Widerstand: Hausarbeiterinnen in Recife/Brasilien. Subjektbildung und ihre strukturellen Bedingungen im peripheren Kapitalismus.

Bezahlte Hausarbeit ist funktionaler Teil des peripheren Kapitalismus Brasiliens. Indem in reichen und mittelständischen Familien Hausarbeit auf gesellschaftlich benachteiligte Frauen übertragen wird, reproduzieren sich ungleiche Geschlechter- und Klassenverhältnisse. Anhand qualitativer Interviews mit Hausarbeiterinnen erforscht die Autorin die Beziehung zwischen Hausarbeiterin und Arbeitgeberin, welche die tiefe Gespaltenheit der brasilianischen Gesellschaft im Mikrokosmos der Familie widerspiegelt. Sie fragt dabei insbesondere nach den Möglichkeiten der Auflehnung gegen Herrschaftsverhältnisse im Spannungsfeld zwischen Anpassung und Widerstand. (Investigaciones: Forschungen zu Lateinamerika, Band 14 · 2011 · ISBN 978-3-643-50290-2)

 

Barbara Hirschmann: Del indio al maya. Identitätspolitik der Maya-Bewegung in Guatemala.

Die Maya-Bevölkerung Guatemalas hat in den letzten Jahrzehnten neue Wege gefunden, ihre kulturellen, sozialen, politischen und territorialen Rechte einzufordern. Im Zuge verstärkter politischer Partizipation entwickelte sich ein gemeinsamer Diskurs über indigene Rechte und Selbstbestimmung, der in der ethnischen Identität der Maya eine Referenz für kollektive Handlungsfähigkeit sucht. Die Autorin analysiert die Geschichte und Identitätspolitiken der Maya-Bewegung mit Blick auf Prozesse der Identitätskonstruktion sowie im Kontext der Debatte um Multikulturalismus und indigene Autonomie. (Investigaciones: Forschungen zu Lateinamerika, Band 13 · 2010 · ISBN 978-3-643-50116-5)

 

Isabella Radhuber: Die Macht des Landes: Der Agrardiskurs in Bolivien. Eine Analyse der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Vorstellungen und der Machtbeziehungen.

Angesichts der extremen Ungleichheit in der Reichtumsverteilung und der tiefen sozioökonomischen Klüfte in der bolivianischen Gesellschaft kann ein Demokratisierungsprozess nur gemeinsam mit Veränderungen im Eigentumsregime begriffen werden, in dessen Zentrum sich der Landbesitz befindet. Die aktuellen politischen und wirtschaftlichen Veränderungen in Bolivien sollen mehr Gleichheit in der Gesellschaft schaffen und stellen die herrschende soziale, politische und wirtschaftliche Ordnung in Frage. Bolivien hat damit das Potential, eine regionale und internationale Vorreiterrolle einzunehmen. Isabella Radhuber ist Doktorandin an der Universität Wien zu Erdgaspolitik und Staat in Bolivien und Stipendiatin der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Sie hat Mujeres cuidadoras de las minas en el Sumaj Orcko (Potosí 2005), El poder de la tierra (La Paz 2008) und Artikel zur Politik und Wirtschaft Boliviens veröffentlicht. (Investigaciones: Forschungen zu Lateinamerika, Band 12 · 2009 · ISBN 978-3-643-50048-9)

 

Christina Schmutzhard: Zum Nutzen von Entwicklungsprojekten. Eine ex-post Evaluation des Projektes „Programm zur integralen Gesundheitsversorgung der ländlichen Gebiete von Rosita, Nicaragua“.

Seit Beginn der 1980er Jahre werden in Nicaragua Projekte der Entwicklungszusammenarbeit durchgeführt. Seit ungefähr demselben Zeitpunkt ist es in vielen „Geberländern“ üblich, Entwicklungsprojekte hinsichtlich ihrer Ziele und des zu erwartenden Nutzens zu evaluieren. Eine ex-post Evaluation, d.h. die Bewertung eines Projektes mehrere Jahre nach dessen Abschluss, wird aber meist nur selten durchgeführt. Die Autorin leistet daher mit der ex-post Evaluation des Projektes „Programm zur integralen Gesundheitsversorgung der ländlichen Gebiete von Rosita, Nicaragua“ der österreichischen Organisation Horizont3000 einen wesentlichen Beitrag zur Diskussion über die Erfassung des längerfristigen Nutzens von Entwicklungsprojekten für die lokale Bevölkerung. (Investigaciones: Forschungen zu Lateinamerika, Band 11 · 2008 · ISBN 978-3-8258-1854-8)

 

Astrid Erhartt-Perez Castro: Tlatel – Die Stadt am Müll // La ciudad en la basura. Müll als Ressource für eine nachhaltige Stadtteilentwicklung in Mexiko-Stadt/Tlatel // Basura como recurso para un desarrollo urbano sostenible en la Ciudad de México.

Müll als Produkt menschlicher Aktivitäten ist ein Bestandteil der Stadt, der große Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit hat. Der Müll ist aber keineswegs nur ein ökologisches Problem; besonders in den Megastädten wie Mexiko DF ist er eine bedeutende soziale Ressource. Die „pepenadores“, so werden die MüllsammlerInnen in Mexiko genannt, bilden eine marginalisierte Gemeinschaft, die dem Müll immer weiter an den Rand der Stadt folgt. Sie zeigt uns den Müll als wertvollen Rohstoff, aus dem ständig Neues entsteht. Allerdings bestehen Diskrepanzen zwischen den Anstrengungen der Existenzsicherung und den Bemühungen um Abfallvermeidung, die es im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung zu überwinden gilt. Astrid Erhartt-Perez Castro, geboren 1978 in Salzburg, studierte Architektur an der TU-Wien und der Universidad Nacional de Bogotá in Kolumbien. Ihr Forschungsschwerpunkt gilt der Stadt mit allen ihren Prozessen. Zurzeit lebt und arbeitet sie in Bogotá, Kolumbien. (Investigaciones: Forschungen zu Lateinamerika, Band 10 · 2009 · ISBN 978-3-8258-1781-7)

 

Berthold Molden: Geschichtspolitik und Demokratisierung in Guatemala. Historiographie, Nachkriegsjustiz und Entschädigung 1996-2005.

Seit dem Ende des Bürgerkrieges im Dezember 1996 ist Guatemala Schauplatz erregter Debatten über seine jüngste Geschichte, über Genozid, politische Gewalt und deren Ursachen. Nationale und internationale AkteurInnen aus Staat und Zivilgesellschaft versuchen, spezifischen historischen Narrativen in guatemaltekischen Öffentlichkeiten Gehör und Geltung zu verschaffen. Berthold Molden analysiert diese Geschichtspolitiken in Hinblick auf ihre Argumente und Themen, auf die Interessen der Handelnden und auf ihre Bedeutung für die Demokratisierung des von Repression und Krieg gezeichneten Landes. Der Autor erhält dafür den Michael Mitterauer-Förderungspreis für Gesellschafts-, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte 2007. Der Michael Mitterauer-Preis 2007 ist eine gemeinsame Initiative der Magistratsabteilung 7 der Stadt Wien, des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung in Wien und der Universität Wien. Der Förderungspreis 2007 wird durch das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung gefördert. (Investigaciones: Forschungen zu Lateinamerika, Band 9 · 2007 · ISBN 978-3-8258-0461-9 und 978-3-7000-0683-1)

 

Bernhard Leubolt: Staat als Gemeinwesen. Das Partizipative Budget in Rio Grande do Sul und Porto Alegre.

In Porto Alegre wurde ein Prozess der demokratischen Dezentralisierung mit Hilfe des Partizipativen Budgets eingeleitet. Dieses etablierte sich als international anerkannte Alternative zu klientelistischer und liberaler Stadtpolitik und wurde dann auf den Bundesstaat Rio Grande do Sul übertragen. Dadurch eröffneten sich erweiterte Handlungsspielräume für ein politisches Alternativprojekt. Die vorliegende Analyse zeigt neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit von Staat und Zivilgesellschaft auf, um den bürokratisch verwalteten Staat in ein demokratisch gestaltetes Gemeinwesen zu transformieren. Bernhard Leubolt, Absolvent der Wirtschaftsuniversität Wien und des interdisziplinären Lehrgangs für höhere Lateinamerikastudien, ist Redaktionsmitglied des Journals für Entwicklungspolitik. Er ist Autor zahlreicher Beiträge zu alternativen Konzepten der Bildungs-, Wirtschafts- und Entwicklungspolitik sowie zur Demokratisierung und politischen Ökonomie Brasiliens. (Investigaciones: Forschungen zu Lateinamerika, Band 8 · 2006 · ISBN 3-8258-9435-5)

 

Bettina Nagl: Chana – eine mexikanische Frau an der Pazifikküste Oaxacas. „Eso es de lo que vengo viviendo, vivir trabajando“.

Die Lebensgeschichte der Feliciana Luís Avendaño, kurz Chana genannt, beschreibt aus ethnologischer Perspektive die soziale Praxis dieser Frau, die in Puerto Ángel an der Pazifikküste Mexikos lebt und deren Wurzeln in einer kleinbäuerlichen Gemeinschaft liegen: Die Arbeiterin, die im Strandrestaurant für ihre informelle Arbeit eine spärliche Bezahlung erhält. Die Hausfrau, die sich in der Abgeschlossenheit ihres Hauses sicher fühlt und ihr schwaches soziales Netzwerk durch die reziproke Wahlverwandtschaft mit einer gringa stärkt. Die Ehefrau, die ihrem untreuen Ehemann trotz allem einen zentralen Platz in ihrem Leben einräumt. Die gläubige Katholikin, die durch ihre Konformität mit katholischen Wert- und Moralvorstellungen ein positives Selbstbild erzeugt. Die Mutter, die ihren sieben Kindern eine schulische Ausbildung ermöglicht, um ihnen damit Lebensoptionen zu eröffnen, die sie selber nie gehabt hat. Die Erzählungen Chanas beleuchten ihre soziale Grenzüberschreitung, ihre Anpassung und Widerständigkeit ebenso wie ihre Krankheiten, ihre Schmerzen, ihre Gefühle und Beziehungen, als auch ihre Arbeit für die Subsistenz und den Gelderwerb, sowie die gender-Ideologien und Verteilungsfilter des nationalen kapitalistischen Systems. (Investigaciones: Forschungen zu Lateinamerika, Band 7 · 2005 · ISBN 3-86099-336-4)

 

Margit Pollheimer: Aufwachsen an der Grenze zweier Welten. Jugendliche aus Tijuana in Mexiko.

Auf der Basis einer Feldforschung schildert die Autorin das Leben Jugendlicher in der Grenzstadt Tijuana im Nordwesten Mexikos, die in einer von Migration und hoher Mobilität geprägten Umwelt aufwachsen. Die Sichtweisen der Jugendlichen werden mit der Theorie der Netzwerkbeziehungen in der Migration und mit Identitätstheorien verknüpft. Vertieft wird die Studie durch die genaue Beschreibung einer Jugendkultur, des cholismo, und durch die Lebensgeschichten dreier Jugendlicher. Margit Pollheimer, 1976 in Wien geboren. Studium der Ethnologie, Sozial- und Kulturanthropologie, Pädagogik und Psychologie an der Universität Wien. Studienaufenthalte in Italien, Pakistan, Nepal und Lateinamerika. Seit 2002 beim Verein „Don Bosco Flüchtlingswerk Austria“ tätig. (Investigaciones: Forschungen zu Lateinamerika, Band 6 · 2004 · ISBN 3-86099-324-0)

 

Katrin Kollenz: Die kubanische Frau. Zur Erotik der weiblichen Gegenwartsliteratur Kubas.

Anhand von 13 Erzählungen kubanischer Autorinnen wird das Rollenverständnis der Frau in der kubanischen Gesellschaft am Ende des 20. Jahrhunderts analysiert. Die Interpretation der Texte folgt der Frage nach der Objekt- oder Subjekthaftigkeit der kubanischen Frauen. Diese ldentitätsproblematik zeigt sich besonders in der Darstellung der erotischen Aspekte in den Erzählungen. Auch im modernen Kuba überwiegen traditionelle Frauenbilder das Bewusstsein beider Geschlechter. Das Buch führt unmittelbar zur Diskussion über die Entwicklung eines liberalen Feminismus und die Gleichberechtigung der Frau. Das Buch stellt eine Auswahl moderner Literatur von Frauen aus Kuba vor. Als Stimmen der Kubanerinnen liefern sie einen Beitrag zur Genderproblematik in der karibischen Welt. Katrin Kollenz, geboren 1971, Spanischstudium am Institut für Romanistik an der KarI-Franzens-Universität Graz und an der Universidad de Valladolid in Spanien. Forschungsaufenthalt in Kuba. (Investigaciones: Forschungen zu Lateinamerika, Band 5 · 2003 · ISBN 3-86099-312-7)

 

Karlheinz Schnitzer: Die Region Biobío in Chile. Ein Beitrag zur Nachhaltigkeitsdebatte.

Das starke Wirtschaftswachstum seit Mitte der achtziger Jahre hat Chile für viele zum Modellland des Wirtschaftsliberalismus gemacht. Parallel dazu entwickelte sich auch in Chile eine Diskussion darüber, ob das angestrebte westliche Wohlstandsmodell wegen seiner ökologischen und sozialen Konsequenzen ein Modell für die Zukunft des Landes sein könne. Biobío – der Wirtschaftsraum im südlichen Bereich der Zentralzone mit seiner früher stark schwerindustriellen Ausrichtung im Großraum Concepción war durch die Weltmarktorientierung besonders betroffen. Der Autor untersucht die räumlichen, wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Veränderungen dieser Region im Spannungsfeld von Ökonomie und nachhaltiger Entwicklung. Seine Ergebnisse liefern einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeitsdebatte in Lateinamerika. (Investigaciones: Forschungen zu Lateinamerika, Band 4 · 2001 · ISBN 3-86099-306-2)

 

Matthias Thonhauser: Im Angesicht der Erde. Zur Bedeutung indianischer Religiosität in Befreiungsprozessen am Beispiel einer Gemeinschaft im Surandino Perus.

Die Studie setzt sich mit den Grundprinzipien andiner Religion auseinander und zeigt, wie sehr das alltägliche Handeln indigener Menschen von spirituellen Konzepten und Mustern mitbestimmt wird. Die Erde als zentrales Beziehungsfeld andiner Kulturen ist dabei ein Schwerpunkt. Die Erhaltung und Rückgewinnung der Lebensgrundlagen, eigener Werte und die Anerkennung kultureller Eigenständigkeit sind zentrale Themen der Auseinandersetzung indigener Bevölkerung mit den aus der spanischen Conquista heraus entstandenen nationalstaatlichen Gesellschaften. Inwiefern ist autochtone Religiosität Impulsgeberin im langen Prozeß der Befreiung indigener Kulturen Südamerikas? Welche Bedeutung kommt ihr bei der Formulierung und Umsetzung indigenen Widerstands zu? Der Autor geht aus religionsphänomenologischer und ethnologischer Perspektive diesen Fragen nach. Er legt dar, welche Bedeutung der religösen Praxis insbesondere bei der Sicherung und Rückgewinnung kultureller Identität als zentrales Moment von Befreiung zukommt. (Investigaciones: Forschungen zu Lateinamerika, Band 3 · 2001 · ISBN 3-86099-302-X)

 

Daniela Ingruber: Friedensarbeit in El Salvador. Eine kritische Bestandsaufnahme.

Das friedenspolitische Schlagwort in der Ära nach dem kalten Krieg lautet Befriedung der Welt durch die Völkergemeinschaft. Zentralamerika war eine der zu befriedenden Regionen, und El Salvador sollte Modell für die Friedensarbeit der UNO werden. 1994 einigten sich die Bürgerkriegsparteien auf einen Friedensvertrag, der durch internationale Vermittlung zustandekam. Die Autorin hat 1991 in El Salvador in einem Projekt der Internationalen Friedensbrigaden (Peace Brigades International) gearbeitet. Bei den sogenannten Jahrhundertwahlen im Jahr 1994 war sie als Wahlbeobachterin für eine Organisation der FMLN im Land. Sie berichtet über ihre Erfahrungen und beschreibt zwei mögliche Wege für Friedensarbeit am Beispiel einer staatlichen und einer nichtstaatlichen Organisation. (Investigaciones: Forschungen zu Lateinamerika, Band 2 · 1999 · ISBN 3-86099-289-9)

 

Brigitte Vogl: Hausgärten der Mayas. Zwischen Tradition und Moderne.

Das jahrhundertelange Bestehen der Hochkultur der Mayas erklärt sich in starkem Maße durch die Anwendung eines intensiven Landnutzungssystems. Hausgärten sind hier ein wesentlicher Teil. Anhand der Arbeitsabläufe, der in den Gärten vorkommenden Pflanzenarten, ihrer Zahl und Nutzung, der Funktion einzelner Gartenbereiche, dem Stockwerkaufbau sowie weiterer kultureller und sozioökonomischer Daten werden in Form eines ethnobotanischen Inventars 30 Hausgärten zweier Dörfer in der Region Palenque (Chiapas) beschrieben. Die Untersuchung zeigt die Rolle von Gärten in der traditionellen subsistenzorientierten Landwirtschaft sowie deren Wandel zu einer Bewirtschaftung mit marktorientierter Ausrichtung und geringerer Artenvielfalt. (Investigaciones: Forschungen zu Lateinamerika, Band 1 · 1998 · ISBN 3-86099-277-5)