Kubanisches Theater: Otoño en Ottakring

Einen karibischen Blick auf Wien, eine kubanische Perspektive auf seine Bewohner_innen und deren Beziehungen einnehmen – diese rare und interessante Verfremdungsmöglichkeit erlaubt das Theaterstück Otoño en Ottakring (Herbst in Ottakring), das eine der renommiertesten kubanischen Kompanien, das teatro del viento, im Juni in Wien zur Aufführung bringt. Der besondere Reiz dieses Projekts liegt in der Spannung, die die Konfrontation zweier kaum als diverser zu denkender gesellschaftlicher Welten, bei dem Versuch auslöst, Facetten der einen (Wien) durch die Brille der anderen (Kuba) künstlerisch zu verarbeiten.

Bei Otoño en Ottakring handelt es sich um ein Theaterstück des kubanischen Autors Freddys Núñez Estenoz, dessen Handlung in Wien spielt. Er hat darin die Erfahrungen eines erstmaligen siebenwöchigen Aufenthalt in Europa – und damit in einer kapitalistischen Gesellschaft – verarbeitet.
Das Stück setzt sich aus drei Erzählsträngen zusammen, die sich im Verlauf des Stücks miteinander verschränken. Im ersten Erzählstrang wird die Schwierigkeit menschlicher Beziehungen am Beispiel zweier junger Wiener_innen entfaltet, im zweiten Erzählstrang die Geschichte eines ungarischen Obdachlosen mit Opernpassion und im dritten die tragische „Karriere“ einer nur mehr mit der aufputschenden Wirkung von Drogen funktionierenden Opernsängerin. Die drei unabhängig voneinander sich entwickelnden Erzählstränge bewegen sich auf überraschende Weise aufeinander zu und kulminieren in einer integrierenden Schlussszene.

Freddys Núñez Estenoz sagt zur Entstehungsgeschichte des Stücks:
"Otoño en Ottakring ist bei meinem ersten Zusammentreffen mit Wien entstanden. Und der eigentliche Grund war meine eigene Beklemmung. Dort drinnen, in der U6, tauchte zum ersten Mal die Idee zum Stück auf. Ich stieg bei der Station Josefstädterstraße aus, setzte mich auf eine Bank und begann an Otoño zu schreiben, ein Stück, das von der Einsamkeit, der Liebe, zerbrochenen Träumen und der Unfähigkeit der Menschen miteinander zu kommunizieren handeln sollte. Die Figuren des Stücks sind frei erfunden, pure Fiktion, aber bei jeder einzelnen
hatte ich das Gesicht eines realen Menschen vor Augen, eines Menschen, den ich in der U-Bahn, in deren Umgebung oder auf einem meiner Streifzüge durch die Stadt entdeckt hatte, eines Menschen, dessen Gesichtsausdruck mir ein
unendliches Universum an Interpretationen, möglichen und unmöglichen, eröffnete. Deshalb sage ich immer, Otoño en Ottakring ist zur Hälfte Fiktion oder halbierte Fiktion."

Nach den erfolgreichen Aufführungen des teatro del viento bei den „Musiktheatertagen Wien“ und in der Sargfabrik im Juni 2018 gastiert die Kompanie also ein Jahr danach wieder in der Stadt, mit einem Stück über Wien. Aufführung in spanischer Sprache mit deutschen Untertiteln.

Aufführungen:
14. Juni, 20:30 Uhr: Brunnenpassage, Brunnengasse 71, 1160
18. Juni, 19:30 Uhr: Kunsttankstelle, Grundsteingasse 45-47, 1160

Kontakt: Christine Stromberger: Tel.: +43-664-270 35 74; e-mail: chstromberger@gmx.com
Manfred Krenn: Tel.: +43-677-620 44 303; e-mail: krennma56@gmail.com

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